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D. L. Ashliman
Eine junge Frau, deren Mann aus für sie rätselhaften Ursachen häufig abwesend war, schöpfte Verdacht, daß er ein Werwolf sei.
Eines Tages arbeiten Beide auf dem Felde. Der Mann verläßt die Frau wieder. Plötzlich kommt ein Wolf aus dem Gebüsche hervor, läuft auf sie zu, faßt mit den Zähnen ihren roten Friesrock und zerrt sie hin und her. Durch Geschrei und Schlagen mit der Heugabel vertreibt sie ihn.
Bald darauf tritt ihr Mann aus demselben Gebüsch, in welchem der Wolf verschwunden ist. Sie klagt ihm die ausgestandene Angst. Er lacht, und abei zeigen sich die roten Wollenfäden, die aus ihrem Rock ihm zwischen den Zähnen geblieben.
Sie gibt ihn beim Richter an, und er wird verbrannt.
Aus Hagenow, durch Fräulein A. Krüger.
Mal geht eine Hexe in Gestalt eines Werwolfs über Feld, um die Kühe eines Bauern zu behexen. Da kommt ihr Mann daher, und wie er den Wehrwolf sieht, befürchtet er, es sei seine Frau und ruft ihm zu, "Marie, Marie, wat deihst du do?"
Da erschrickt das Weib und verwandelt sich in ihre menschliche Gestalt. Aber wie sich der Mann ihr nähert, hängen ihr noch die langen roten Haare über Hals und Brust, und ihre Augen funkeln noch ganz wie Wolfsaugen.
Fr. H. in Wustrow.
In Caseburg auf Usedom waren einmal ein Mann und seine Frau beim Heuen auf einer Wiese beschäftigt, da sagte die Frau nach einiger Zeit, sie habe gar keine Ruhe mehr, sie könne nicht mehr bleiben, und ging fort. Vorher aber hatte sie noch ihrem Manne gesagt, das solle er ihr versprechen, daß wenn etwa ein wildes Tier käme, er ihm seinen Hut hinwerfen und dann fliehen wolle, daß es ihm keinen Schaden täte. Das versprach der Mann.
Nur eine kleine Weile war sie fort, da kam durch die Swine ein Wolf geschwommen, der ging grade auf die Heuer los; da warf ihm der Mann seinen Hut hin, den das Tier sogleich in kurz und kleine Stücke zerriß; aber unterdessen hatte sich ein Knecht mit einer Forke herangeschlichen und erstach den Wolf von hinten; im selben Augenbllick aber verwandelte sich das Tier, und alle erstaunten nicht wenig, als sie sahen, daß es des Bauers Frau war, die der Knecht getötet hatte.
Mündlich aus Swinemünde.
Ein Ehepaar in Hessen lebte in Armut. Zur Verwunderung des Mannes wußte die Frau dennoch bei jeder Mahlzeit Fleisch aufzutragen, lange verheimlichend, wie sie dazu gelangte. Endlich aber versprach sie ihm die Entdeckung, nur dürfe er dabei ihren Namen nicht nennen. Nun gingen sie miteinander aufs Feld, wo eine Herde Schafe weidete, zu welcher die Frau ihre Schritte lenkte, und als sie ihr nahe gekommen waren, warf sie einen Ring über sich, wurde augenblicklich zum Werwolf, der in die Herde fiel, eins der Schafe griff und damit entfloh.
Der Mann stand wie versteinert; als er aber Hirt und Hunde dem Werwolf nachrennen und die Gefahr seines Weibes sah, vergaß er sein Versprechen und rief: "Ach Margareit!"
Da verschwand der Wolf und die Frau stand nackend auf dem Feld.
Der Glaube an den Werwolf hat sich auch in der Altmark erhalten. In dem Dorfe Hindenburg erzählen sich die Leute noch jetzt von einem solchen Menschen, der sich in einen Wolf hat verwandeln können, und es leben noch welche, die ihn in ihrer Kindheit gekannt haben. Er hatte einen Streifen Leder aus einer Wolfshaut gehabt, an der noch die Haare waren. Sobald er sich diesen um den Leib band, war er in einen Wolf verwandelt. Er hatte dann eine außerordentliche Stärke, so daß er oft ganz allein ein ganzes Fuder Heu zog, oder einen ganzen Ochsen ins Maul nahm und forttrug. Er hatte in solchem Zustande aber auch ganz und gar die Natur des Wolfes: denn er würgte das Vieh, und fraß sogar Menschen.
Einer seiner Nachbarn ward einmal von ihm verfolgt, und konnte ihm nur mit genauer Not entgehen. Nur seine Frau verschonte er, wenn er auch noch so wütend war. Sie kannte einen Zauberspruch, wodurch er gebannt wurde, und den er ihr selbst gelehrt haben soll. Sie schnallte ihm dann den Streifen wieder ab, und nun war er wieder ein vernünftiger Mensch.
Akten des Altmärkischen Vereins für Geschichte und Industrie.
Englische Texte: Werewolf Legends from Germany.